Samstag, 20. August 2016

Fettlogik überwinden. Teil 1: Um das Buch herumlesen.

Ich habe von "Fettlogik überwinden" in den sozialen Netzwerken gehört. Erst tauchte es in einem Blog auf, dann in einem anderen. Ich las Rezensionen, traf eine Freundin, die damit bereits erfolgreich abzunehmen begonnen hatte, und fing an, der Autorin auf Twitter zu folgen.

Eine ganze Weile las ich also um das eigentliche Buch herum, indem ich mich durch die Rezensionen und das Blog klickte. Schnell wurde mir klar: etwas wirklich Neues sagt Frau Hermann nicht. 
Wer abnehmen wolle, müsse weniger Kalorien zuführen als man verbrauche. 
Sport helfe - da er den Kalorienverbrauch und somit auch das erzielte Defizit steigert - sei aber nicht unbedingt nötig. (Bei sehr stark Übergewichtigen sei er unter Umständen vielleicht sogar schädlich - Gelenke werden sehr stark belastet, und Knochen zu wenig von Muskeln gestützt.) 
Nicht einmal besonders ausgewogen müsse man essen, solange die Kalorienbilanz negativ ausfalle - von 2 Tafeln Schokolade am Tag (und sonst nichts) nimmt man auch ab. (Wohlgemerkt: damit nimmt man ab - gesund ist das nicht. Aber das ist ein anderes Thema.)
Nichts davon schien mir neu, und ich wunderte mich daher ein bisschen über den Enthusiasmus einiger Fans. Diese fühlten sich häufig "befreit" oder hatten das Gefühl, die "Kontrolle" wiedererlangt zu haben, da sie nicht länger das Gefühl hatten, irgendwelchen Genen, dem "verdorbenen" Stoffwechsel oder ihrer Schilddrüse ausgeliefert zu sein. Denn dieses sind nur einige der weitverbreiteten "Fettlogiken" (= Ernährungsmythen), mit denen Nadja Herrmann aufräumt. 
Mich selbst riss das erstmal noch nicht vom Hocker, denn mein Problem sah ich eher woanders. Als emotionale Esserin sehe ich die Ursachen für mein Übergewicht nicht so sehr bei irgendwelchen Setpoints, als an meiner Unfähigkeit, in bestimmten Situationen (Stress, Trauer, noch unidentifizierte andere Trigger) NICHT zu essen. Bei WW nannte man das "Erfolgsfaktor: Kontrolle behalten" - und mir fehlt er.
 Zwar trage ich immer noch den 10%-Anhänger der WeightWatchers an meinem Schlüsselbund, der beweist, das Abnehmen mal funktioniert hat... Aber eben nur für kurze Zeit...Das muss dieser Jojo-Effekt gewesen sein. Ganz klar: Diäten machen dick! Oder doch nicht? Habe ich hier meine eigene Fettlogik, die mich vor der unangenehmen Wahrheit "schützt"- nämlich, dass ich an meinem Essverhalten etwas ändern muss? Zwei Jahre WW habem mir nämlich gezeigt, dass "du darfst alles essen, du musst dich nur "richtig" entscheiden" auf lange Sicht eben doch eine Einschränkung und Verzicht bedeuten. Wenn man sehr "routiniert" immer das gleiche ist, kennt man irgendwann die Punkte und kommt gut klar - aber spontan, abwechslungsreich selbst kochen, mit den Dingen, die einem auf dem Markt gerade in den Einkaufskorb springen, empfand ich als wahnsinnig aufwendig und mittelfristig genussfeindlich. Ist das mein Problem? Wollte ich den Pelz gewaschen bekommen, ohne nass zu werden?
Dazu kam, nachdem ich fast 2 Jahre lang jeden Bissen aufgeschrieben hatte, den ich mir in den Mund steckte, hing  mir zudem die von WW geforderte Kontrolle (beim Essen) nicht nur zum Halse heraus, ich hatte auch keine Energie mehr dafür. Arbeit, Pendeln, Doktorarbeit, Beziehung, später Trauer, immer wieder Depression - all diese Dinge verbrauchten meine ganze Kontroll-Energie - für Essenskontrolle blieb einfach nichts mehr übrig. (Tatsächlich gibt es Studien dazu, dass Willenskraft begrenzt ist und tatsächlich "ausgehen" kann.)
Wenn ich also innerlich aufgegeben hatte, daran zu glauben, jemals wieder mein Übergewicht zu verlieren, dann weil ich an meiner psychischen Fähigkeit zweifelte, eine Diät zu implementieren und durchzuhalten. Eine Neigung zu Depressionen, extreme Stubenhocker-Tendenzen, vorwiegend sitzende Hobbies (Lesen, Stricken etc), eine selbst-diagnostizierte Binge-Eating-Störung - kurzum, Ich selbst, mein Charakter und meine Psyche stünden einer Abnahme im Wege. Und die Schilddrüse ist vielleicht nicht schuld, macht es aber auch nicht einfacher.

Inwischen fragte ich mich aber immer öfter, ob "Fettlogik überwinden" für meine psychische Selbstdemontage auch eine Antwort hätte? die Autorin ist immerhin Psychologin und Psychotherapeutin. Im Blog konnte ich zu Depressionen und Essstörungen nicht viel finden. Daher habe ich Anfang Mai h einfach mal das Buch bestellt - 10 Euro sind ja nicht viel Geld. Man kann ja mal reinlesen, ganz unverbindlich. Und während der Schwangerschaft/Stillzeit soll ich ja ohnehin nichts machen...

Meine Auseinandersetzung mit dem Buch erfolgt gründlich und ausführlich und kann hier nachgelesen werden. Was bisher geschah:
Vorspiel: Mein dickes Ich.

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